5 Jan

Die heidnische Ehe

In den letzten Monaten ist in meinem Umfeld immer wieder mal das Thema Ehe und Hochzeit aufgetaucht. Das hat mich nun dazu geführt, mir mal ein paar Gedanken zur „heidnische Ehe“ zu machen, welche ich nun hier gerne vorstellen möchte.

Die Stellung der Frau bei unseren (heidnischen) Ahnen

Die Ehe zur Zeit unserer Ahnen kann nur betrachtet werden, wenn man die rechtliche Stellung der Frau zu jener Zeit versteht. Denn die Ehe hat zwar eine spirituelle und von den Göttern gesegnete Dimension, in weiten Teilen ist sie jedoch rein gesellschaftlich geprägt. Daher nun kurz etwas zur damaligen Stellung der Frau:

Frauen galten damals nicht als Rechtsfähig. Aufs heutige Recht bezogen, hatten Frauen den gleichen bzw ähnlichen Status, wie ihn heute Minderjährige besitzen. Dieser Umstand ist aber (nach meiner Auffassung) nicht göttliches Gebot, sondern einfach den Umständen der damaligen Zeit geschuldet. Damals gab es keine zentrale Staatsgewalt, welche für den rechtlichen Ausgleich aller Gesellschaftsmitglieder Sorge trug und somit herrschte das Recht des Stärkeren.

Im Gegensatz zur den frühen christlichen und muslimischen Gesellschaften, führte dieser Umstand bei unseren Ahnen jedoch nicht zu einer Unterdrückung der Frauen oder besser ausgedrückt, die Unterdrückung der Frauen war nicht das Ziel der germanisch heidnischen Gesellschaft.

Auch wenn es nach heutigen Maßstäben merkwürdig erscheint, war es doch so, das diese rechtliche Stellung die Frau schützte. Denn dieser rechtliche Status der Frau führte dazu, das (vor der Hochzeit) die Frau unter der „Munt“ des Vaters stand. „Munt“ ist hierbei ein alter Begriff, welcher nichts anderes als „Schutz“ bedeutet. Der Vater war also zum Schutz seiner Tochter verpflichtet.

Bei der Ehe ging dann diese Schutzfunktion vom Vater auf den Ehemann über. Der Ehemann hatte also nun die Verpflichtung seine Frau zu schützen.

Dem Umstand dieser „Muntschaft“ war es nun dann auch geschuldet, das damals Ehen in der Regel zwischen Brautvater und zukünftigen Ehemann vereinbart wurde. Denn die Auswahl des richtigen (Ehe)Manns war Teil der „Schutzaufgabe“ des Vaters.

Auch war die Heirat zweier Menschen auch immer dann eine Verbindung zweier Sippen, was der ganzen Entscheidung somit auch eine gewisse „politische“ Qualität gab und der Brautvater war ja auch immer Oberhaupt der Familie/Sippe.

Denn in Zukunft würden sich so nämlich beide Sippen zum gegenseitigen Beistand verpflichten.

(Dieser Abschnitt wäre auch absolut ein eigenes Thema wert)

Die Stellung der Frau Heute

Heute ist die rechtliche Stellung der Frau eine andere und im Gegensatz zu vielen andere gesellschaftlichen und religiösen Entwicklungen, eine konsequente Weiterentwicklung heidnischer Sitten. Dadurch das wir (als Gesellschaft) einen zentralen Rechtsstaat geschaffen haben, fällt auch die Notwendigkeit der Muntschaft gegenüber Frauen weg. Somit ist eine Frau ebenso rechtsfähig, wie der Mann und wie gesagt: „Dies widerspricht nicht göttlicher Vorsehung, sondern ist viel mehr dessen konsequente Umsätzung“.

Damit einhergehend wird es aber auch nötig eben jene germanischen Traditionen weiter zu denken, welche eben dem alten Rechtsverständnis noch geschuldet sind und somit muss sich dann auch logischerweise das Hochzeitsritual weiter entwickeln. Um dies nun tun zu können, müssen wir versuchen zu erkennen, was an der Ehe göttergewollt (was also nicht verändert werden darf) und was gesellschaftliches „Beiwerk“ (was frei gestaltet werden kann) ist und somit kommen wir zum nächsten Punkt.

Die spirituelle Bedeutung der Ehe

Hier möchte ich gerne vorab einen Textabschnitt zitieren, den ich mal an anderer Stelle gebracht habe:

Liebe ist das höchste und schönste Geschenk der Götter an uns. So ist Liebe nicht rein auf körperliche Zuneigung beschränkt, sondern berührt Seele und Geist, ist also auch eine spirituelle Größe. Daher ist es auch nicht verwunderlich, das gerade jene Menschen, welche als erleuchtet gelten, Liebe in besonderer Weise betonen.

So sehe ich es dann auch als göttlich gewollt an, das wir heute die Freiheit besitzen aus Liebe heiraten zu können. Etwas, was unseren Ahnen damals leider nur selten möglich war.

Ein Aspekt der Ehe ist somit die Heiligung der Liebe und die Erklärung gegenüber den Göttern, diese Heiligkeit anzuerkennen und zu leben.

Weiter bedeutet Ehe, das zwei Menschen fortan ein Heil teilen werden. Vor den Göttern ist das Ehepaar fortan auch eine Einheit. Dies Bedeutet, das dass eigene Handeln nun nicht mehr nur das eigene Heil mehrt, sondern auch auf das gemeinsame Heil Auswirkung hat. Gerade auch auf Hinblick gemeinsamer Kinder ist das ein enorm wichtiger Aspekt denn:

Gemeinsame Kinder profitieren vom Heil der Eltern oder haben darunter zu leiden, je nach dem.

So ist das Bekommen von Kindern auch tatsächlich ein ganz bedeutsamer (auch spiritueller) Aspekt der Ehe. Ich weiß, das diese Behauptung von mir, nicht dem aktuellen Zeitgeist entspricht, trotzdem bin ich davon absolut überzeugt.

Kinder sind das „fleischgewordene“ Symbol für die vollendende Vereinigung von Mann und Frau. In ihnen verbindet sich sowohl das Heil der Sippe des Mannes, als auch das Heil der Sippe der Frau und zu guter letzt das gemeinsame Heil des Ehepaars. Nicht umsonst sind Kinder so „Rein“ und „Unschuldig“.

Das bedeutet aber natürlich auch, das man bei der Eheschließung eben nicht nur für sich selbst Verantwortung trägt, sondern für die ganze Sippe.

Hochzeitszeremonie

Die heidnische Hochzeitszeremonie war früher vor allem Sache der Sippe. So leitete der Brautvater die Zeremonie und kein Priester oder Gode. Doch auch dieser Umstand hat primär mit der damaligen rechtlichen Stellung der Frau zu tun und muss somit auch überdacht bzw weiter entwickelt werden.

Aktuell gehe ich davon aus, das eine Eheschließung in dem Moment wirksam wird, ab dem das Paar seinen Willen zur Hochzeit gegenüber den Göttern und Ahnen erklärt hat.

Idealerweise findet dies im Rahmen eines Rituals statt, welches vier Grundelemente besitzt:

-Anrufung der Göttin Vár

-Anrufung der Ahnen

-Hochzeitsgelöbnis des Paares

-Segnung und Weihung der Frau mit dem Thorshammer

Die weitere und genaue Ausgestaltung der Hochzeit liegt jedoch beim zukünftigen Ehepaar. Hierbei kann es natürlich hilfreich sein, jemand Drittes als Zeremonieleiter einzusetzen. Für die reine Wirksamkeit der Hochzeit ist dies aber nicht erforderlich.

Abschließendes

Der Text stellt den aktuellen Stand meiner Gedanken zu diesem Thema da. Eure Meinungen zu dem Thema sind mir sehr willkommen.

http://www.gefolgschaftdergoetter.de/board/index.php?page=Thread&postID=2757#post2757

 

Grüße

Ancarus