30 Mrz

Meine Gedanken zu Frigg

Frigg ist eine äußerst komplexe und vielschichtige Göttin und in diesen beiden Punkten ihrem Gemahl Odin sehr ähnlich. Sie ist Göttin des Weiblichen bzw dem mütterlichen, fruchtbaren Aspekt der Weiblichkeit und Göttin der Erde und dahin gehend weiter auch Göttin der Heilung.
All diese Aspekte stehen in einem engem Verhältnis zusammen, so sagen wir ja zb heute noch „Mutter Natur“ oder „Mutter Erde“.

Ich neige auch immer ein bisschen zu sagen, das, wenn Odin Allvater ist, dann ist Frigg Allmutter, auch wenn dies natürlich nicht ganz korrekt ist. Doch kommt diese Bezeichnung Friggs Stellung unter den Göttern und für uns sehr nahe. Denn ohne die Natur/Erde könnten wir nicht leben. Durch das Zusammenspiel von Himmel (Odin) und Erde (Frigg) wird ja Leben auf Midgard ja erst möglich. Doch die Erde hat eben nicht nur diesen lebensspendenden Aspekt, sondern auch einen heilenden und auch der Aspekt des Todes gehört zur Mutter Natur und gerade wegen diesen vielen unterschiedlichen Aspekten, begegnet uns Frigg auch unter vielen verschiedenen Namen, auch hier ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Odin gegeben. So sind zum Beispiel Jórd, Perchta und Frau Holle
einfach weitere Namen von Frigg bzw bezeichnen sie in ihren verschiedenen Aspekten

Recht häufig lese ich davon, das Jórd, Perchte und gerade auch Frau Holle, alles eigenständige Göttinen verehrt werden. Das dies geschieht ist jetzt nicht zwangsläufig schlimm, da man mit den verschiedenen Namen ja auch sich besser auf die verschiedenen Aspekte Friggs konzentrieren kann. Dennoch verbergen sich unter den verschiedenen Namen immer Frigg.

Jórd bezeichnet Frigg in ihrem riesischem Aspekt, als Erdgöttin. Hier dann aber nicht der fruchtbare, lebensspendende Aspekt der Erde, sondern einfach die Erde/Natur von ihrer neutralen Seite. Mit Jórd zeugt ja Odin Thor —> Blitz entsteht durch das Zusammenspiel von Himmel (Odin) und Erde (Jórd). Das hier Frigg, als Jórd auftaucht hat einen einfachen Grund: Die Zeugung Thors war jetzt kein Lebensspendender Akt an sich, denn ein Blitzeinschlag ist ja eher negativ behaftet. Dieses Prinzip Ase = Gut, Riese = Neutral und Thurse = Böse finden wir überall in den Mythen.

Wirklich interessant Friggs Erscheinung, als Frau Holle. Denn Frau Holle beschreibt Frigg in ihrem Aspekt als Göttin des Todes. Schon Jacob Grimm und später auch die Germanistin Erika Timm identifizieren hinter Frau Holle Frigg. Holle heißt, die Huldvolle oder Holde (lässt sich auch mit verhüllende übersetzen, was auch sehr gut passt) und in der Voluspa finden wir Holle unter dem Namen Hlyodin. In der Gylfaginning können wir weiter lesen, das Hlyodin Jórd entspricht.

Das Frigg eben auch Totengöttin ist erklärt dann Gylfaginning 20:

Seine Frau heißt Frigg und weiß aller Menschen geschick, obgleich sie es keinem vorhersagt.

Denn als Göttin der Erde kommen ja alle Toten zu ihr. Was mich dann nämlich weiter dazu führt, das zwischen Hel und Frigg eine sehr enge Verbindung besteht. Hel ist nämlich zuerst einmal nur die Beschreibung des Totenreiches ganz allgemein. Rein mal sprachlich betrachtet, könnte man sagen: Hel = Reich von Frau Holle. Beide Begriffe haben den gleichen Wortstamm der eben verbergen/verhüllen bedeutet. Man spricht ja auch heute noch vom „Jenseitsschleier“ der ja nichts anderes tut, als die Welt der Toten zu verhüllen. Naturmythologisch betrachtet nimmt die Erde die Toten in sich auf (Beerdigung, Verwesung usw) und verbirgt sie somit vor uns.

Interessant ist auch, das Hel, als Riesein, wohl so nur von unseren nördlichen Ahnen erkannt wurde. In den südlichen Gebieten hingegen nicht. Auch dies ist aber nicht automatisch ein Widerspruch, denn bemerkenswerterweise wird Hel ja oft so dargestellt, das eine Körperseite „normal“ ist und die andere blau. Frigg wird häufig mit einem blauen Kleid dargestellt.