30 Mrz

Der Adel (aus meiner Sicht)

Aus dem Rigsmal- Das Lied von Rig wissen wir, das Heimdall (Rigr) die drei Stände Thräle (Knechte), Karle (Freie) und Jarle (Adel) gezeugt hat. Dazu möchte ich erst mal zwei bemerkenswerte Dinge anmerken:

1. Heimdall fand drei Paare vor. Die Menschen ansich waren schon erschafft, es ist also keine andere Version zur Schaffung der Menschheit (Ask und Embla).
2. Alle drei, so entstandenen Linien, sind von der gleichen göttlichen Abkunft (nämlich von Heimdall).Dabei ist aber besonders interessant, das dass dritte Paar sich besonders von den beiden vorangegangen unterschied, was Reichtum und Erlesenheit anbelangte. Durch diesen, ich nenne es mal Edelmut, wurde diesem Paar die Ehre zuteil Urahnen der Jarle d.h. Der Edlen bzw Adligen zu werden und daher rührte der Führungsanspruch des heidnischen Adels, denn für diese Aufgabe wurden sie von Heimdall erschaffen. Das besondere an diesem Adel war aber, das er nicht losgelöst von den anderen Ständen war. Ganz im Gegenteil, sie waren sogar dazu angehalten ihren Adel immer wieder neu zu beweisen, um dadurch ihre Herrschaft zu rechtfertigen. So kann man beim heidnischen Adel wohl vom Grundsatz sprechen: „Adel wird durch das Tun bewiesen und nicht alleine von der Abkunft.“Diese Erkenntnis ist sehr wichtig, denn nun kommt eine brutale Zäsur: Die Christianisierung. Durch das Christentum bzw die Kirche erhalten die Adligen die Werkzeuge, um sich von der Bindung des „einfachen“ Volkes unabhängig zu machen. Denn laut Kirche sind sie ja von Gottes Gnaden und daher dem Volk maximal noch indirekt verantwortlich. Somit konnten also die jetzt christlichen Adligen ihre Machtstellung betonieren, mussten sie sich ja jetzt nicht mehr ständig neu beweisen. Dies hatte aber noch eine weitere, schwerwiegende Folge: Der Adel wurde nun auch seiner sakralen Funktion beraubt, natürlich nur schleichend und in den verschiedenen Teilen Germaniens unterschiedlich stark ausgeprägt, aber durch die Christianisierung wurde ja auch ein neuer Stand geschaffen: Der Priesterstand. Diesen Priesterstand, so wie ihn die katholische Kirche einführte, existierte vorher ja überhaupt nicht. Die besondere Verbindung zu den Göttern und die Ausführung der göttergefälligen Riten waren ja Bestandteil des adligen Daseins.Darin liegt sicherlich auch etwas ironisches. Denn nicht nur aus rein heidnischer Sicht verlor der Adel so die Verbindung zu den Göttern, sondern auch rein spirituell betrachtet verliert der Adel so an Bedeutung. Zumindestens der Teil des Adels, der jetzt zu den „weltlichen“ Herrschern gehört.

Eines haben aber der klerikale und der weltliche Adel gemeinsam: Sie besitzen keine göttliche Legitimation, weil sie durch ihr Bekenntnis zum Christentum Verrat an den Göttern geübt haben. Durch diese Entwicklung kann der heutige Adel auch keinen Herrschaftsanspruch geltend machen, zumindestens keinen göttlich legitimierten. Vor allem auch, weil es schlicht kein Adelsgeschlecht mehr gibt, welches sich noch auf heidnische, das heißt göttliche Wurzeln stützen kann. Das älteste Adelsgeschlecht Europas, ist das der Welfen. Die frühste Erwähnung findet dieses Geschlecht im 8. Jahrhundert und da war es auch schon christlich.

Bedeutet das nun, das es also eigentlich garkein Adel mehr gibt?

Nein, es bedeutet aber, das Titel alleine überhaupt keine Aussagekraft haben. Wer sich adliger Abkunft wähnt, muss dies beweisen. Das bedeutet, sich vom christlichen Adelsverständnis zu befreien und sich zurück zur Maxime: „Adel wird durch das Tun bewiesen und nicht alleine von der Abkunft.“ Dabei ist dann auch folgender Aspekt interessant: Die Menschen, die möglicherweise auch noch tatsächlichem heidnischen Adel entspringen, werden heute garkeinen Titel tragen. Da man wohl davon ausgehen darf, das damals jeder Adlige seiner Besitztümer verlustig gegangen ist, der an den Göttern ernsthaft festgehalten hatte.